Heimische
Flusskrebse
Bedrohungsfaktoren für die Flusskrebse (LfW)
Die Gefährung unserer
Krebsbestände ist häufig auf menschliche Eingriffe in den Naturkreislauf
zurückzuführen, insbesondere auf:
- Weitere Krankheiten
und Parasitosen der Krebse
Krebse können sich noch mit anderen Krankheitserregern infizieren, deren
Auswirkungen auf die Population - im Vergleich zur Krebspest - geringer
sind:
Die Porzellankrankheit wird von einem mikroskopisch kleinen
Einzeller (Thelohania contejeani) verursacht, der gezielt die Muskulatur
des Krebses befällt. Nach einer massenhaften Vermehrung des Parasiten in
der Muskulatur schimmert das Fleisch porzellanweiß - daher der Name der
Krankheit - durch die Kutikula, besonders deutlich ersichtlich an der
Unterseite des Schwanzes. Fast alle wild lebenden Krebsvorkommen sind mit
dem Erreger infiziert, aber nur Einzeltiere werden sichtbar befallen und
sterben. Gewöhnlich liegt die Mortalitätsrate unter 2%. Die
Bewirtschafter von Krebsgewässern sind gut beraten, alle beim Krebsfang
erbeuteten Krebse zu kontrollieren und die erkrankten Tiere zu
eliminieren. Auf keinen Fall sollen befallene, untermassige Krebse wieder
ins Wasser zurückgesetzt werden.
Vor allem bei ungünstigen Umweltbedingungen (wie z.B.: zu dichter
Krebsbesatz, hohe Ammoniakwerte und Wassertemperaturen, niedrige
Sauerstoffkonzentration) kommt es duch Befall mit Bakterien, Vieren,
Pilzen (neben der Krebspest) und sonstigen Parasiten zu mehr oder
weniger großen Krebssterben. Viele dieser Krankheitserreger sind allein
im Labor zu bestimmen. Im folgenden seien deshalb nur einige davon
erwähnt, soweit sie äußerlich am Krebs erkennbar sind.
So wird die sog. Brandfleckenkrankheit durch einen Fadenpilz
verursacht, erkenntlich an der runden, rotbräunlichen Färbung am
Außenpanzer, sowie einem kraterartigen, scharzen Durchbruch in der Mitte
der Infektionsstelle. Ein Befall geht oftmals auf eine Verletzung zurück.
Die sog. Rostfleckenkrankheit basiert auf einem Pilzbefall,
welcher den Außenpanzer mit unterschiedlich großen, bräunlichen Flecken
überzieht und zerstört.
Krebsbestände in freier Wildbahn sind häufig von einem bis zu 9mm langen,
wurmförmigen Außenparasiten, dem Krebsegel (Branchiobdella spp.)
befallen, den man an der Unterseite der Scheren, an Kiemen, an Gelenken,
am Panzer, am Beinansatz und an den Eiern des Weibchens in oft großer
Stückzahl finden kann. Die weißgelben Egel gelten für den befallenen
Krebs generell als harmlos, bei Befall von Kiemen und Eiern kann es
jedoch zu mechanischen Schäden und sekundärer Besiedlung mit Pilzen und
Bakterien kommen.
Taucht man die Krebse mit Egelbefall bis max. 1 Minute in eine Kalklösung
(Dosierung: 200 g Branntkalk auf 10 l Wasser), so sterben die Egel ab,
nicht immer aber deren Eier. Nach dem Bad müssen die Krebse in sauberem
Wasser gut durchgespült werden, um ihre Kiemen von anhaftenden Kalkresten
zu reinigen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich in süddeutschen Seen die Dreikant-
oder Wandermuschel (Dreissena polymorpha) ausgebreitet, die
vermutlich durch Boote aus Ostasien eingeschleppt wurde. Sie meidet
Schlamm und ihre planktischen Larven setzen sich auf jeder Art harten
Materialien an, auch auf dem Panzer lebender Krebse. Dort wachsen sie
rasch zu mehrere Zentimeter großen Muscheln heran. Bei starkem Befall
kann der Krebs an der Nahrunsaufnahme gehindert oder bei der Häutung
durch die Wurzelfäden geschädigt werden, die den Panzer durchdringen.
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