Heimische Flusskrebse

Biologie der Flusskrebse (LfW)

"Die Flusskrebse werden dem erdgeschichtlich sehr alten Stamm der Gliederfüßer zugeordnet. Ihre Vorfahren kommen ursprünglich aus dem Meer, wo noch zahlreiche Verwandte leben.
Im Körperbau den Spinnen und Insekten ähnlich, besitzen sie eine äußere Schale, welche zugleich als Panzer und als Außenskelett dient. Letzteres besteht aus harten Einzelteilen, die durch weichhäutige Membranen gegeneinander beweglich sind. Die Körpersegmente sind in Funktionseinheiten gegliedert, wie das verschmolzene Kopf-Brust-Stück (Cephalothorax) und der bewegliche Hinterleib (Abdomen). Der größte Teil des Panzers, der Carapax, überdeckt Kopf und Rücken.
Die Flusskrebse verfügen über fünf gepanzerte Beinpaare, von denen die ersten drei als Scheren ausgebildet sind, wobei das vordere Scherenpaar besonders mächtig erscheint. Sie bewegen sich durch Schreiten, und zwar nach allen Seiten, über den Gewässergrund und katapultieren sich bei Gefahr durch plötzliches, mehrfaches Einschlagen des Schwanzfächers nach rückwärts davon.
Zahlreiche Geschmacks- und Geruchszellen befinden sich in den langen Antennen und um die Mundwerkzeuge. So kännen sie auch auf weitere Entfernungen Beute wahrnehmen. Die Komplexaugen sitzen auf Stielen und ermöglichen die Sicht nach allen Seiten.
Um wachsen zu können, müssen die Krebse ihre starre Körperhülle periodisch abwerfen und neu ausbilden. Der Häutungsvorgang ist besonders gefährlich, da er außerhalb des Verstecks abläuft und den weichen >>Butterkrebs<< bis zum Erhärten der neuen Schale schutzlos seinen Feinden ausliefert. Den zur Neubildung des Panzers erforderlichen Kalk liefern die geheimnisvollen >>Magensteine<< (Gastrolithen).
Die Blutflüssigkeit (Hämolymphe) fließt bei den Krebsen nicht in Adern, sondern umspült frei die Organe in der Leibeshöhle, weshalb die Gefahr des Ausblutens bei Verletzungen besonders groß ist. Ein Schutz dagegen besteht im Abwerfen verletzter Gliedmaßen, verbunden mit dem Verschließen der Unterhaut an speziell ausgebildeten Sollbruchstellen. Verlorene Körperteile, wie die Scheren, wachsen wieder nach. Regenerierte Scheren erreichen aber in aller Regel nicht mehr die Größe des Originals.
Bei der Paarung werfen die Männchen die Weibchen auf den Rücken und kleben ihnen mit Hilfe besonders gestalteter Füßchen auf der Bauchseite, der >>Griffel<<, Spermatophoren äußerlich an den Unterleib. Bei manchen exotischen Arten ist hierfür beim Weibchen eine spezielle Samentasche ausgebildet.
Die Griffel sind zugleich auch das sicherste Merkmal zur Unterscheidung der Geschlechter, denn sie fehlen dem Weibchen. Nach einer von Art zu Art unterschiedlichen Zeitspanne stößt das Weibchen eine größere Anzahl von Eiern aus den Legeöffnungen am 2. Schreitfußpaar ab. Diese sind von einer Schleimhülle umgeben, deren Substanz die vorher vom Männchen aufgehefteten Spermien aktivieren. Die nun befruchteten Eier werden schließlich traubenförmig an den Hinterleibsfüßen unterm Schwanz des Weibchens fixiert, in dessen Schutz sie sich über ein kurzes Larvenstadium zum vollendeten Jungkrebs entwickeln."

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