Morphologie

Bauplan der Decapoda:

Der Körper ist in heterogene, also ungleiche Segmente und sozusagen funktionelle Module, so genannte Tagmata gegliedert. Hinsichtlich der Einteilung der Tagmata werden in der Literatur zwei unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Einerseits erfolgt die Einteilung der Tagmata in:
- das Kopf- und Bruststück und wird als Cephalothorax und
- den Bauch/Unterleib und wird als Abdomen oder bei den Decapoden zutreffender als Pleon (gr. plein = schwimmen) bezeichnet.

Andererseits werden als Tagmata
- Cephalon (Kopf),
- Thorax (Brust)und
- Abdomen (Pleon/Bauch, Unterleib)
in grundsätzlicher Anlehnung an den Körperaufbau des Tierstammes der Arthropoda angesehen.

Zwischen Cephalon und Thorax befindet sich eine Querlinie, bzw. Querfurche, die die Vereinigungslinie (Verwachsungsstelle) der beiden Körpersegmente kennzeichnet.
Der Hinterleib (Pleon) ist deutlich in fünf Ringe gegliedert.
Am Cephalothorax sind die einzelnen Rückenschilder der Segmente vereint und bilden den Carapax.

Zu den Extremitäten der Tagmata (Spiegelsymetrie):



aus: Storch, Volker / Welsch, Ulrich, Kükenthals Leitfaden für das Zoologische Praktikum, 23.Aufl., Spektrum Akademischer Verlag 1999, ISBN 3-8274-0901-2

 

Ziff. 1:
Das 1. kurze Antennenpaar. Neben seiner Tast- und Fühlfunktion (jeweils zwei Fühler) ist es auch das Geruchsorgan der Krebse. Im Basiselement enthält es zusätzlich ein Gleichgewichtsorgan.

Ziff. 2:
Das 2. lange Antennenpaar ist ein Tast- und Fühlorgan.

Ziff. 3 bis 8: (Mundwerkzeuge)
- Ziff. 3 – Mandibel:
Die Mandibeln bilden den Oberkiefer! Sie sind von der Form her dreikantig und besitzen jeweils an der Schneidekante zahnähnliche Gebilde.
- Ziff. 4–5 – Maxillen:
Die 1. Maxille und die 2. Maxille (paarweise) liegen dicht hinter der Mandibel und besitzen Kauplatten und stellen somit den „Unterkiefer“ dar.
Die Mandibeln dienen mit der Maxille zum Zerbeißen und Zerkauen pflanzlicher und tierischer Nahrung. Im Notfall dienen die Mandibeln auch als Greif- oder Transportwerkzeug. Ferner wird durch den Scaphognathit, einen kellenartig geformten Teil der zweiten Maxille eine ständige Bewegung des Wasserstroms in die Atemhöhle erzeugt
- Ziff. 6-8 – Maxillipeden:
Sie bilden den Übergang zwischen Kiefer und Füßen und werden dementsprechend als Kieferfüße bezeichnet. In erster Linie dienen sie dazu, die von der Hauptschere und den Schreitbeinen zugelieferte Nahrung dem „Mund“ zuzuführen.

Ziff 9-13: Peraeopoden
- Ziff. 9:
Das Hauptscherenpaar. Nur der innen gelegene Teil der Schere ist beweglich. Es dient zum Ergreifen und zum Transport größerer Gegenstände (z.B. Beute, Holzteile, Blätter) und als Waffe zur innerartlichen Verteidigung/Angriff und zum Beutefang. Obwohl bei diversen Krebsarten sehr plump und unbeweglich wirkend, sind die „Hauptscherenbeine“ nach allen Richtungen hin beweglich. Die Hauptscheren können auch über den Cephalothorax greifen (was bei einer manuellen „Handhabung“ mit den Krebsen beachtet werden muss!) und zufassen.
- Ziff. 10-13:
Dem Scherenpaar folgen die eigentlichen „Fortbewegungsextremitäten“. Vier Schreitbeinpaare ermöglichen dem Krebs in alle Richtungen zu gehen.

Ziff. 14-19: Pleopoden:
Am Pleon befinden sich fünf Paar Schwimmfüße. Bei amerikanischen und europäischen männlichen Krebsen sind die ersten beiden Paare zu Begattungsorganen umgebildet und liegen in Richtung Cephalon.
Bei Weibchen der o.a. Herkunft ist das erste Paar verkümmert.
Das letzte Pleopodenpaar ist zu „Flossen“ (Uropoden) umgewandelt und bildet mit dem 21. unpaaren Glied (Telson) den Schwanzfächer (19)


Panzer:

Der Panzer bietet in seiner Körperfunktion dem Tier Schutz und bildet das Exoskelett, an dem innen die Muskulatur angesetzt ist. Also eine völlig andere Struktur als bei Wirbeltieren, bei denen die Muskulatur an den Knochen ansetzt. Somit kommt dem Exoskelett quasi die Funktion der Knochen bei Wirbeltieren zu..
Der Panzer der Krebse ist eine dreischichtige Cuticula (Epicuticula, Exocuticula, Endocuticula) aus Chition-Protein-Komplexen.
Die relativ dünne äußere Schicht der Cuticula, die Epicuticula enthält kein Chitin und besteht aus gas- und wasserundurchlässigen Polyphenolen und Wachsen.
Die darunter befindliche Exocuticula besteht aus Chitin und Sklerotin, bzw. Glykoproteinen.
Die dritte Schicht des Panzers, die Endocuticula besteht aus Chitin.

Unter der Cuticula liegt die Epidermis, die der Bildung von Haaren oder Borsten dient.

Nur die beiden inneren Cuticulaschichten bewirken die Ver- oder Aushärtung des Panzers,. Nach jeder Häutung (s. hierzu auch Thema Häutung) erfolgt die Sklerotierung indem durch Enzymaktivitäten die vorhandene Proteine (Glykoproteine) verhärten. Ferner mineralisiert die Haut durch Einlagerung von Ca2+ (Kalk), CO3 sowie PO4 (Phosphat) und bildet dadurch einen nicht mehr dehnbaren Panzer, der nur noch abgestreift werden kann (Häutung).

Der Panzer der Krebse endet zwischen den Komplexaugen in einer Spitze, dem so genannten Rostrum.

Die Färbung der Krebse wird durch in der Cuticula eingelagerte Farbstoffe erzielt. Ferner können dehnbare Chromatophoren (im Unterhautgewebe) Farbveränderungen hervorrufen, die unter anderem auch das Stimmungsbild der Tiere wiedergeben können

 

Sinnesorgane/Sinne

Nervensystem:
Die Nervenzellen (Neuronen) eines Organismus sind untereinander verbunden, bzw. miteinander vernetzt und bilden das Nervensystem.
Das Nervensystem seinerseits regelt u. a. das Verhalten des Gesamtorganismus in der Reaktion auf Umweltreize.
Die Nervenzellen an sich sind somit im weiteren Sinn „Nachrichtenübermittler“.

Natürlich haben sich im Verlauf der Evolution unterschiedlichste Nervensysteme bei den tierischen Organismen entwickelt.
Das einfachste System ist bei den Einzellern zu finden. Bei ihnen dient die gesamte Zellkörperoberfläche der Wahrnehmung der äußeren Reize. Das Zellplasma übernimmt dann die Funktion der Erregungsleitung.

Bei den Gliedertieren (Articulata) lag ursprünglich in jedem Körpersegment auf jeder Körperseite ein Ganglion. Ganglien sind Nervenknoten, Verdickungen des Nervensystems, also eine Konzentrierungen von Nervenzellen.

Gliederfüßer (Arthropoda) und somit auch die Krebse, besitzen aufgrund ihrer taxonomischen Zugehörigkeit zu den Articulata ebenfalls ein segmentiertes Nervensystem, das so genannte Strickleiternervensystem.

Im Kopf der Krebse befindet sich das Zentrum des Nervensystems, das Oberschlundganglion. Dieses ist im Verlauf der Evolution durch die Verschmelzung der Ganglien der ersten drei Körpersegmente entstanden.
Das Oberschlundganglion wird auch als “Gehirn“ bezeichnet. Hier werden alle Reize verarbeitet und koordiniert, die von den Komplexaugen, den Fühlern und den anderen Sinnesorganen des Kopfes empfangen und weitergeleitet werden.

Das Oberschlundganglion ist mittels zweier Verbindungen an das Unterschlundganglion gekoppelt. Das Unterschlundganglion seinerseits bildet das Nervenzentrum für die Tast- und Geschmackssinnesorgane und für die Mundwerkzeuge.

Vom Unterschlundganglion zieht sich dann auf jeder Körperseite ein Nervenstrang durch den Körper nach hinten. Diese Nervenstränge besitzen paarig (linksseitig und rechtsseitig) angeordnete Ganglien, die so genannten Bauchganglien und werden insgesamt auch mit Bauchmark bezeichnet. Jedes Segment des Körpers enthält solch ein Ganglion, bzw. Ganglienpaar, das zur Steuerung der Organe/Extremität dieses Segments (u. a. Beine und Körpermuskeln) dient.
Die links und rechtsseitig gelegenen Bauchganglien sind ihrerseits quer durch Brücken (Kommissuren) miteinander verbunden. Durch die Längsverbindungen der Ganglien auf jeder Seite untereinander werden die Bauchganglienketten (o. a. Nervenstränge) gebildet.

Stellt man sich den Aufbau des Nervensystems jetzt dreidimensional vor, so entsteht ein Gebilde, das vom Körperende zum Kopf hin betrachtet, einer Strickleiter ähnelt, die dann in das Unterschlundganglion mündet und von dort aus im Oberschlundganglion endet.

Da das Nervensystem insgesamt auf der Bauchseite, bzw. in der Bauchregion liegt, wird es in der Literatur auch als ventrales Strickleiternervensystem bezeichnet.

Ø Sehen:

am Kopf befindet sich auf jeder Körperseite ein Komplexauge (Omnatidium), das sich aus einer verschieden großen Anzahl von stiftförmigen Einzelaugen (Omnatiden) zusammensetzt.
Hinsichtlich der Sehfähigkeit der Krebse gehen die Angaben in der Literatur auseinander.
Fest steht, dass die Anzahl der Omnatiden (bis zu 25.000) von Krebsart zu Krebsart variiert und abhängig vom seinem Lebensraum im Wasser ist.
Krebse die in den vom Licht durchfluteten Bereichen des Wassers leben besitzen eine weitaus höhere Anzahl von Omnatiden als jene Tiere, die in Höhlen oder den tieferen Regionen der Gewässer leben. Erstere Krebse können sehr gut, vermutlich auch farblich sehen und können Formen erkennen.
Wer verschiedene Arten von Krebsen in seinen Aquarien hält wird das unterschiedliche Sehvermögen selbst schon einmal beobachtet haben. Es gibt Krebse, die auf Formenveränderungen vor ihrem Becken (auch ohne Bewegung oder Erschütterung) durch Drohgebärden oder Rückzug reagieren. Bewegungen (auch ohne Erschütterungen) nehmen viele Arten auch aus größerer Entfernung wahr.

Ø Tasten:

Als Tastorgane oder Fühler dienen die 1. und 2. Antenne, und hierbei überwiegend die längeren Fühler der 2. Antenne. Wer seine Krebse in einem gut bewachsenen oder in einem mit vielen Versteckmöglichkeiten versehenen Aquarium sucht, wird zuerst nach den Fühlern Ausschau halten. Meistens werden die langen Antennen aus dem Versteck herausgehalten, um frühzeitig einen aufdringlichen Artgenossen oder ggf. auch ein Beutetier erfühlen zu können.
Mit den langen Antennen sind Krebse natürlich auch in der Lage, sich in Dunkelheit oder in unübersichtlichem Gelände bei trüben Wasserverhältnissen zu orientieren.

Ø Geschmack/Geruch:
Das erste Antennenpaar (Abb. 1, Ziff.1) stellt das Geruchsorgan der Krebse dar (zuzgl. Gleichgewichtsorgan)

----wird ergänzt/fortgesetzt---

 

 

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